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LIEBE LESER:INNEN UND FREUND:INNEN DER GEDENKSTÄTTE,
im April stehen zwei Rituale auf der Agenda unserer Stadtgesellschaft: zum einen die Namenlesung auf dem Marktplatz (14. April), zum anderen das Gedenken zum Kriegsende am Mahnmal an der Anton-Betz-Straße (16. April). Die Lesung erinnert an die ermordeten Düsseldorfer Jüd:innen, die Kranzniederlegung an den mutigen Widerstand Düsseldorfer Bürger im Frühling 1945.
Gedenkrituale stehen manchmal im Ruf, ein unreflektiertes, bequemes Gedenken zu sein. Die Akteur:innen kennen sich, spulen ein bekanntes Programm ab und kehren danach in ihren Alltag zurück. Doch Sie kennen unsere Arbeit hinlänglich genug, um zu wissen, dass Gedenken für uns bei allen berechtigten Ritualen nie nur ein Abspulen von Abläufen ist. Nicht nur begleiten wir die Gedenkrituale durch historische Information, sondern kontextualisieren sie natürlich auch in unsere Gegenwart. Denn sowohl die traditionelle
Namenslesung der Ermordeten der Shoah ebenso wie das Erinnern an die „Aktion Rheinland“ und das Kriegsende vor 81 Jahren finden in jedem Jahr unter anderen Rahmenbedingungen statt als in den Vorjahren.
Erstarkender Antisemitismus auch in unserer Stadt und Angriffe auf jüdisches Leben europa- und weltweit verleihen der Lesung der Namen aller ermordeten Düsseldorfer Jüd:innen eine neue Dringlichkeit. Jeder einzelne Name der 2.633 Ermordeten steht für eine individuelle Geschichte von Ausgrenzung, Hass und Mord. Die historische Shoah führt dramatisch vor Augen, wohin Antisemitismus führen kann – auch in unserer Gegenwart.
Das Gedenken an das Kriegsende vor 81 Jahren findet vor dem Hintergrund der Kriege in Europa und im Nahen Osten statt, vor dem Hintergrund der Debatten um Wehrpflicht, Aufrüstung und Bündnissolidarität. Eine kleine Gruppe von Schülern und Lehrkräften des Technischen Berufskolleg Färberstraße beschäftigt sich seit dem Herbst mit der Geschichte der Schule, ihrer Verstrickung in die Kriegsendphaseverbrechen und die Widerstandsaktion „Rheinland“. Gemeinsam sucht die Gruppe nach einer adäquaten Form des Gedenkens in ihrer Schule, die auch die gegenwärtige Relevanz des Gedenkens aufzeigt. Eine Vertreterin der Projektgruppe wird am Mahnmal Anton-Betz-Straße Einblick in den Prozess geben.
Neben die Gedenktage tritt im April jedoch auch die weiterhin intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit der Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus – und dies natürlich ebenso vor der Folie unserer Gegenwart, die durch zunehmende Feindseligkeiten gegenüber queeren Menschen in unserer Gesellschaft gekennzeichnet ist. Die tschechische Historikerin Dr. Anna Hájková (Warwick, Großbritannien) hat zum ersten Mal systematisch die queeren Opfer des Holocaust erforscht. In ihrem Vortrag erklärt sie, warum dieser Aspekt der Shoa-Geschichte lange ausgeklammert und marginalisiert worden ist und wie eine Rückkehr in das kollektive Gedächtnis eine inklusive und feministische Geschichte dieses Genozids anbieten kann (21. April). Eine Woche später schärft die Kollegin und wissenschaftliche Mitarbeiterin Astrid Hirsch-von Borries, die ihre Forschungsschwer-punkte auf Frauengeschichte und queere Geschichte legt, ganz bewusst den lokalen Blick auf Düsseldorf. In ihrem Vortrag (28. April) beleuchtet sie die Verfolgung in der Stadt zwischen 1933 und 1945 aus neuen Perspektiven, die von der herkömmlichen Täter:innensicht abrücken und damit den Blick weiten. Beide Vorträge beginnen jeweils um 18:30 Uhr.
Gedenkrituale ebenso wie unsere historische Informationsarbeit leben durch Ihre Teilnahme! Sie reflektieren mit uns Geschichte und Gegenwart, tragen Informationen und Sensibilisierung für gesellschaftliche Probleme in Ihr alltägliches Umfeld. Ihre Teilnahme erst macht aus einem Gedenktag oder einem Vortragsabend mehr als nur ein Ritual oder ein Veranstaltungsangebot.
In diesem Sinne: Bleiben Sie uns gewogen!
Herzlich,
Ihre
Dr. Andrea Ditchen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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